Wien – Schneeberg

Als Ultramarathonläufer bekommt man des öfteren gesagt, man habe nicht mehr alle Steine auf der Schleuder. Und so ein Ruf will natürlich gepflegt werden. Da kam die Anfrage von Michele, ob denn jemand Lust und Zeit hätte in der Nacht von Freitag auf Samstag mit ihm zusammen Wien-Schneeberg zu laufen. Da musste ich nicht sehr lange überlegen und sagte zu. Also trafen wir uns am Freitag Abend um 21:30 Uhr im Bus 60A, der uns punktgenau zum Start brachte. 22:10, Stirnlampen an, Track von Basti vom letzten Jahr auf der Uhr und los gings. Warm wars noch in der Stadt und wir liefen hoch zur Perchtholdsdorfer Heide, weiter zum Kammerstein und immer weiter auf der Forststraße Richtung Sittendorf, Mayerling und Maria Raisenmarkt, bevor uns kurz vor Neuhaus das Peilsteinhaus zu unserer ersten kürzeren Rast erwartete. Bis dahin lief es super. Wir warfen also kurz unsere Jacken über, aßen einen Riegel und füllten unsere Wasservorräte am Hunde-Wasserhahn wieder auf. Dann gings nach Neuhaus, und wir verliefen uns in einem 300 Einwohner Dorf drei mal. Das ist sicher neuer Rekord. Aber auch das hielt uns nicht auf. Und so arbeiteten wir uns weiter. Über Weissenbach, Hohenwart und viel Wald erreichten wir unsere 2 „Labe“, das Waxeneck. Diesmal gab es kein Wasser, aber ein paar Bänke zum hinsetzen und die nutzten wir gerne. Inzwischen war es auch so hell, dass die Lampen im Rucksack verschwinden konnten. Wir stärkten uns also und liefen dann weiter. Ich hatte nach dieser Pause einen ziemlichen Durchhänger. Ich war müde, konnte mich nicht mehr ordentlich auf den Trail konzentrieren und hatte richtig zu kämpfen. Ein Glück, holte mich mein Isogetränk mit ordentlich Koffein wieder aus diesem Tal heraus. Rechtzeitig vor dem Mörder-Downhill hinunter nach Reichental. Mein lieber Mann, das war ein Ding. Für uns gabs diesmal kein Wasser am Sägewerk, wie für Basti letztes Jahr. War aber nicht so schlimm, wir waren noch gut ausgestattet. Vor uns lagen die letzten beiden Kriterien. Öhler und natürlich der Schneeberg mit seinen 2076 Metern ü.A. Also los. Für mich zog sich der Weg zum Öhler ewig. Aber auch solche Phasen gehören wohl zu solchen Ausflügen. Und so stapfte ich meistens Michele hinterher und hing meinen Gedanken nach und schaute sehr oft auf den Höhenmesser. Endlich erreichten wir die Gauermannhütte. 10,5 Stunden und 64 km hatten wir nun schon auf unseren Uhren. Und einen Tee für Michele und einen gespritzten Apfelsaft für mich später ging es für uns weiter. Nicht ohne uns vom Hüttenwirt noch anzuhören, dass wir ja wohl nicht alle Steine auf der Schleuder hätten. Und noch was gab uns der Hüttenwirt mit. Das Wetter, das dort jetzt schon nicht mehr besonders war, sollte laut ihm eher noch schlechter werden als besser. Hmpf. Aber erstmal auf zur Edelweißhütte. Auch das zog sich noch einmal ziemlich. Und schon in der „Anreise“ sahen wir den Schneeberg mit einer Haube aus Wolken. Zusätzlich spürten wir selbst schon in der Querung hinüber zur Hütte einen ordentlich frischen Wind. Nach einer kurzen Befragung des Hüttenwirts, Beratschlagung Untereinander und einem Red Bull beschlossen Michele und ich auf den Gipfelsturm zu verzichten. Der beste Kommentar dazu von Michele: Der beste Bergsteiger ist der, der immer zurück kommt. Wir machten uns also an den Abstieg nach Losenheim und joggten die letzten 4-5 km nach Puchberg von wo aus uns die ÖBB zurück nach Wien brachte. Auch ohne Schneeberg-Gipfel ein wahnsinniger Tag mit vielen Kilometern, einiges an Höhenmeter und einfach ganz viel Zeit mit einem tollen Begleiter. Danke dafür Michele. Hier noch die Daten und ein paar Fotos.

Und natürlich hab ich auch sonst noch ein bisschen trainiert in den letzten beiden Wochen. Woche 3 des Trainingsplans für den #GGUT hatte nur 3 Einheiten. Einmal 7 km am Laufband Bergauf, ein lockerer Lauf in die Arbeit und als Highlight 3x3km in 4:00 min/km. Kein langer Lauf am WE, da war ich Support für Radha beim Frauenlauf.
Und die Woche vor Wien-Schneeberg hatte noch 2 Einheiten, ein lockerer Lauf in die Arbeit und eine etwas längere Runde zusammen mit Markus. Alles in allem waren dann die letzten 2 Wochen mit 150 km ganz o.k. Wien – Schneeberg hat’s halt raus gerissen

2 Kommentare

  1. Ernst um | | Antworten

    Ein super Projekt und absolute Hochachtung vor eurer Leistung – auch wenn euch der „Gipfelsturm“ diesmal versagt blieb – aber wie sagt man so schön „es ist nicht aller Tage Abend“…
    lg

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