Großglockner Ultratrail #ggut

Nach 12 Wochen mehr oder weniger gutem Training war es am Wochenende soweit. Am Freitag Abend startete um 22:00 Uhr der Großglockner Ultra Trail. 110 km, 6500 Höhenmeter. Allein die Daten klingen schon furchterregend. Und sie versprechen keinesfalls zu wenig. Der #GGUT ist ein Biest. Aber der Reihe nach.
Meine Reise begann am Freitag Morgen in Wien. Schnell noch die Kinder in den Kindergarten gebracht und ab nach Meidling in den Zug. Über Salzburg ging es in einer entspannten Zugfahrt nach Zell am See, wo schon mein Taxi incl. Fahrer Basti und Begrüßungskomitee Michele wartete. Also ab nach Kaprun. Nach ein paar extra Metern im Auto machte ich mich zusammen mit Martin, der für den „kleinen“ 75 km Lauf, den Großglockner Trail gemeldet war, auf den Weg zur Startnummernausgabe incl. Check der Pflichtausrüstung. Es war heiß, aber dafür ging der Check sehr schnell und innerhalb von 10 Minuten war alles erledigt. Zurück ins Hotel der Jungs, ich hatte ja geplant im Auto zu schlafen, noch ein bisschen was Mittagessen und dann ausruhen. Nicht so einfach in einem heißen Kleinbus. Aber gut. Dann noch Abendessen zusammen mit Flo und Irene, Sachen packen und dann… Um 19:00 Uhr, 3 Stunden vor dem Start öffnete der Himmel seine Schleusen. Wolkenbruch. Gewitter. Verflixt. Ein Blick auf das Regenradar lies schlimmes vermuten. Die Gewitterzelle stand genau über uns und es schien ihr dort zu gefallen. Eine so lange Reise in nassen Klamotten zu starten war ein nicht so toller Ausblick. Aber wir hatten Glück. Knapp eine Stunde vor dem Start ließ der Regen nach und hörte 45 min vor dem Start komplett auf. Perfekt. Also Ab zum Start, Dropbag abgeben, Racebriefing anhören, noch ein paar dumme Sprüche reißen und um Punkt 22:00 Uhr zum bisher längsten (nicht aber den weitesten) Lauf meines Läuferlebens starten. Ein paar Meter gings durch Kaprun, dann ab in den Wald und schon ging es auch bergauf. Über einen schönen Singletrail mit ein bisschen anstehen. Aber es kribbelte. Es fühlte sich gut an. Es war schwül durch das vorangegangene Gewitter und so waren wir alle froh, dass wir etwas an Höhe gewannen und es etwas kühler wurde. Kaum hatten wir die ersten 500-600 Höhenmeter hinter uns führte uns der Weg auch schon wieder bergab Richtung Fusch zur ersten Labe. Kurz vorher verpassten wir noch eine Abzweigung und liefen etwa 300 Meter zu viel. Auch schon egal bei dem was uns erwartete. Nur schnell Flaschen auffüllen und weiter. Ein kurzer Nipper vom Veranstalter-Iso. Bäähh. Was war den das? Na das kann ja lustig werden. Sind ja nur noch 95 km. Da wird man sicher nur 5-6 Liter von dem Zeug trinken müssen. Schöne Aussichten. Naja. Erstmal den nun folgenden 1700 Höhenmeter Anstieg hinter uns bringen. Es ging gut dahin im Wald. Und plötzlich tauchte hinter den Bäumen der Blutmond auf. Der Mars war herrlich zu sehen. Die Stimmung auf diesen Metern unglaublich. Michele, Basti und ich genossen den Lauf und dementsprechend ging es gut voran. Bei der nächsten Labe, Ferleiten, war die erste Zeitnehmung und wir hatten 25 Minuten Vorsprung vor dem Cutoff. Nicht gerade üppig. Vor uns war nun schon die Pfandlscharte zu sehen. Beleuchtet vom Vollmond und auch einige Stirnlampen blitzten schon im Aufstieg. Bei uns liefs super. Und da soll man es ja laufen lassen. Zuerst über Forststraßen, dann über einen Wanderweg und dann über einen Singletrail schraubten wir uns höher und höher. Ich hatte teilweise Musik im Ohr und war voll im Flow. Lässig. Das letzte Stück des Aufstiegs ging es dann über ein Schneefeld. Wir warfen unsere Jacken über und stiegen weiter der Pfandlscharte entgegen. Oben Angekommen machten wir uns nach einem Energy Drink gleich an den Downhill. Und jupidu, was soll ich sagen. Bergab ging es auch verdammt gut. Wir überholten viele Läufer und ließen es in der Morgendämmerung richtig laufen. Die ersten Ausblicke auf den Großglockner waren atemberaubend und schon bald kam auch die dritte Labe in Sicht. Das Glocknerhaus. Kurz vorher gabelten wir noch Christoph auf, der mit Magenproblemen zu kämpfen hatte und für den das Rennen hier schon zu Ende war. Für uns gabs Frühstück und die Stirnlampen wurden abgenommen. Der Vorsprung auf den Cutoff war auf 2:45 angewachsen. Ein beruhigendes Polster. Also weiter. Die letzten Höhenmeter hinunter zum Margaritzenstausee und schon war die Marathonmarke überquert. Hat ja nur 8h gedauert. Und es waren ja nur noch 2 Marathondistanzen. Kinderspiel. Die ersten Höhenmeter des Anstieges hinauf zur Pfortscharte lagen noch im kühlen Schatten aber die Sonne ließ sich schon auf den Gipfeln um uns herum blicken und bald waren wir auch in der Sonne. Noch genossen wir ihre wärmenden Strahlen. Eine Ahnung, was heute noch auf uns zukommen sollte mit dem Stern hatten wir aber auch. Vor uns tat sich nun die Pfortscharte auf was wir mit einem leicht hysterischen Lacher quittierten. Alter war das Ding steil. Davor erstmal noch einen Energy Drink und dann rauf. Oben angekommen ging es auf der anderen Seite genau so steil wieder bergab. Halleluja. Das war eine krasse Nummer. Der weitere Downhill zur Lucknerhütte war dann wesentlich laufbarer. Wir überholten wieder wie die Weltmeister und waren zügig bei der Lucknerhütte. Cola, eine warme Suppe, ein bisschen sitzen. Nächster Zwischenstopp Kals. Große Pause, Halbzeit in Sicht. Davor hat der Veranstalter aber noch rund 300 Höhenmeter nach oben und etwa 1000 nach unten geplant. Und das war dann schon zermürbend. Der Anstieg in der prallen Sonne. Der Downhill in schier nicht enden wollenden Serpentienen im Wald ohne richtig viel Höhenmeter zu verlieren. Ich war zum ersten mal leicht genervt. Und dann heilfroh in Kals anzukommen. Da gabs unser Dropbag. Frisches Leiberl, frische Socken anziehen, Vorräte auffüllen, Nudeln essen. Mir ging es wieder etwas besser und wir machten uns nach etwa 50 min Pause und 2:40 Vorsprung vor dem Cutoff auf einen kleinen Verdauungsspaziergang. Die Motivation zu laufen hielt sich bei uns beiden in Grenzen. Aber zum Glück ging es bald bergauf und wir konnten wieder Wandern. Durch die Daberklamm wurden Erinnerungen an die gemeinsame Durchquerung der Uinaschlucht während unseres TAR 2015 wach. Nach der Klamm ging es aber auf einer glühend heißen Forststraße weiter in Richtung Kalser Tauern Haus. Dort gab es dann eiskaltes alkoholfreies Weißbier und Blasmusik. Ich habe selten etwas köstlicheres getrunken und etwas schlechteres gehört. Im nachhinein wäre es wohl besser gewesen sich dort eines mit Alkohol zu kaufen. Denn was jetzt kam hat mich gebrochen. Die Forststraße ging in einen Wanderweg über, der in einen „ich weiß bis heute nicht was das soll“ überging. Inzwischen trafen wir dann auch Manuel, der ebenfalls das Rennen aufgeben musste. Er vermutete einen Sonnenstich. Sehr schade. Hinauf zum Kalser Tauern jedenfalls war es eine echt zaache G’schicht. Auch mich hatte wohl die Sonne etwas erwischt. Ich phantasierte mir die nächste Hütte herbei. Hinter jeder Kurve vermutete ich sie. Sah Schornsteine in Felsformationen usw. Zur Ablenkung gabs etwas Musik auf die Ohren. Aber auch das half nicht viel. Ich fing an übers aufhören nachzudenken. Das kannte ich so noch nicht. Vermutlich war es eine Mischung aus Sonne, Müdigkeit und geistiger Erschöpfung. Aber um Aufzuhören musste ich zumindest noch weiter bis zur Rudolphshütte. Also über den Kalser Tauern. Oah. Das tat nun wirklich weh. Im Downhill ging auch nix mehr. Endlich kam die Rudolphshütte in Sicht. Mit hängenden Schultern schlurfte ich in die Verpflegungsstelle. Ich war durch. Sowas von durch. Und Basti ging es in diesem Moment auch nicht so gut. Wir redeten tatsächlich übers aufhören. Wir. Nö. Das können wir nicht machen. Wir müssen das durchziehen. Wir hatten 3:15 Vorsprung vor dem Cutoff. Das müssen wir schaffen. Nach einer Klopause für mich, in der Basti Infos von der Bergwacht einholte machten wir uns also wirklich wieder auf den Weg. Das war Haarscharf. 3h Aufstieg zum Kapruner Törl prophezeite uns der Bergwachtler auf der Rudolphshütte. Na dann mal los. Zuerst ging es mal wieder bergab. Ein schwieriger, sehr technischer Downhill, wie schon so viele vor ihm. Und so langsam begann es echt ein wenig zu nerven. Aber kaum waren wir unten und über den Fluss stieg der Pfad steil an. Zuerst durch irgendwelche kniehohe Pflanzen. Dann später auf einem ganz passablen Trail. Wir erreichten die Moräne die wir noch zu durchqueren hatten bevor der endgültige steile Teil hinauf zum Kapruner Törl wartete. Geröll wohin man sah, der Weg teilweise schwer zu erkennen. Wir legten erstmal eine kleine Salzpause für Basti ein. Ich weiß gar nicht mehr die wievielte an diesem Tag. Wir waren inzwischen schon mehr als 18h unterwegs. Mit speziell dieser Salztablette dürfte Basti wohl einen längeren Disput geführt haben. Oder lags doch am Hammer Heed Iso Zeugs? Ich weiß es nicht genau. Jedenfalls machte ich mir Sorgen, dass er sich gleich übergibt und wir dann dastehen, mitten in einem Geröllfeld und nicht mehr weiter kommen. Basti erledigte aber auch diesen Kampf als Gewinner und so errreichten wir das Kapruner Törl nach ziemlich genau 2h gerechnet von der Rudolphshütte. Aha. Das ist also diese zweite Luft. Oder wars doch schon die dritte oder vierte? Keine Ahnung. Runter gings dann spaßiger. Es gab nämlich Schnee. Wir schlitterten also zügig bergab auf den Moserboden zu. Davor waren noch einige Bäche zu überqueren. Mal mit, mal ohne Brücken. Nasse Füße waren also vorprogrammiert. Was auch nicht weiter tragisch war. Begann es doch jetzt sowieso zu regnen. Zum Glück hielt sich das Gewitter in seiner Stärke zurück und eingehüllt in unserer Goretex Jacken machten wir uns an die Passage des Moserbodens. Inzwischen hatten wir einen dritten Begleiter gefunden. Willy vom 75er Großglockner Trail war zu uns gestoßen. Er hatte nämlich keine Stirnlampe dabei und befürchtete noch in die Dunkelheit zu kommen. Da jeder von uns 2 Lampen in der Pflichtausrüstung hatte boten wir ihm gerne eine Leihlampe bis ins Ziel an. Die letzte größere Labe lag zwischen den beiden Staueseen. Ich wechselte in die lange hose, denn mir war inzwischen durch den Regen richtig kalt. Wir hielten uns nur kurz auf und machten uns an den letzten Abstieg hinunter nach Kaprun. Fast 21 Stunden Laufzeit lagen nun schon hinter uns. Hier aufzuzählen was nicht weh tat fiel deutlich leichter und war schneller erledigt als die schmerzenden Körperteile zu benennen. Aber die 10-12 km sollten wir auch noch schaffen. Ich hatte inzwischen ein etwas eingeschränktes Sichtfeld. Eine meiner Kontaktlinsen vertrug die Mischung Schweiß, Regen, Sonnencreme wohl nicht so ganz und trübte sich ein. In der Dämmerung gings noch. Aber je dunkler es wurde um so unsicherer wurde ich auf den Trail Passagen. So dass ich bald zum bergab wandern gezwungen war. Wir hatten noch Glück mit der Streckenführung. Inzwischen waren die Tunnel auf der Straße geöffnet und wir mussten wenigsten die nicht auf rutschigen Trails umgehen. Mir setzte das letzte Stück schon sehr zu. Zum Glück warteten Basti und Willy immer wieder auf mich. Und bald war auch die letzte Labe erreicht. Hier hieß es. „Noch 8km Asphalt. Da könnt ihr es locker rollen lassen“ Haha. Erstens: was soll noch locker sein nach über 100 km und 6500 Höhenmetern? Zweitens: Was ist bei denen in Kaprun bitte Asphalt? Es ging weiter auf schmalen Waldwegen dahin. Bergab, im ZickZack. Normalerweise haben wir da ja nichts dagegen. Aber jetzt wäre es schon schön wenn wir einfach nur noch das Ding im Automatik Modus beenden könnten. Und dann war es endlich soweit. Das Schild mit 5km to go stand am Wegesrand. WHAT? Ich hatte höchstens noch mit 3 gerechnet. Es zog sich wie Kaugummi. Endlich erreichten Kaprun. Die letzen KM durch den Ort. Gehen, Laufen, Gehen, aber ins Ziel wird gelaufen. Endlich, da ist es. Michele erwartete uns (frisch geduscht und umgezogen) im Zielkanal. Klatschte uns ab und Basti und ich hahnerten über die Ziellinie. Viel war nicht mehr los. Aber der Empfang der HelferInnen war dafür umso herzlicher. Ich nahm meinen Rucksack ab, setzte mich auf einen Sessel und glotzte erstmal min. 5 min einfach vor mich hin ins leere. WAS WAR DAS FÜR EIN DING. 25h15min Laufen/Wandern/Leiden/Genießen/Motivieren/Zweifeln… Einfach nur der Wahnsinn. Das wird, obwohl es jetzt schon eine Woche her ist, lange bei mir nachwirken. Zuletzt noch der Dank an meinen Begleiter Basti. Das war das erste große gemeinsame Ding seit unseren TAR 2015. Und braucht sich absolut nicht dahinter verstecken. Und es war nur ein Teil eines größeren Ziels. Basti hat nun die Quali Punkte für den UTMB. Ich muss noch nachziehen. Und zwar Ende September mit meinem ersten 100 Meiler im Wienerwald. Dann gehts für uns beide in Lostrommel und dann hoffentlich 2019 nach Chamonix.

Hier noch ein paar Impressionen von Unterwegs.

Und hier noch der Track

3 Kommentare

  1. Jörg Fuchslueger um | | Antworten

    Hi Christian, tolle Leistung, interessanter Beitrag und schöne Fotos! Mit welcher Uhr hast du aufgezeichnet? Meine Garmin Fenix 3 hat im Ultra Modus (stromsparend) einen unbrauchbaren Track geliefert, Garmin Support meint, dass ist eben so Ultra Modus ist ein Kompromiss und da ist die Aufzeichnung schlecht (schlecht wäre ja OK, sie ist aber unbrauchbar!!! ) Also Garmin wird es keine mehr, bitte um deine Erfahrungen! (Ev. direkt an meine E-Mail) Wir sehen uns beim WUT, ich habe Platin vor… mal sehen. Oder vorher schon – werde sicher 2-3 mal die Runde vorab düsen…
    LG Jörg

  2. #FinishershirtFriday um |

    […] Den Anfang macht das Shirt meines letzten Abenteuers. Das war der  #ggut.  […]

  3. Wienerwald Ultratrail um |

    […] zum ersten Mal im Wienerwald, quasi vor meiner Haustür statt. Mit unserer Zieldurchquerung am #GGUT war also für mich klar, dass ich mich 8 Wochen später auf meinen bisher längsten Lauf begeben […]

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