24h Burgenland Extrem Tour

Einen 100er im Januar laufen? Ja, das kann man machen. Aber wie kommt man dazu? In meinem Fall war wieder einmal jemand anderes schuld. Wie soll es auch sonst sein. Mein Kollege und Freund Cliff brauchte dringend einen Begleiter, da sein ursprünglich geplanter ausfiel. Und da ich zu solchen Geschichten einfach nicht nein sagen kann habe ich einen Startplatz übernommen (Offiziell war nämlich schon ausgebucht) und ein bisschen trainiert. Der Marcothon im Dezember ist ja schon einmal eine gute Grundlage. Der Marathon, den ich da zum Abschluss gelaufen bin und der am darauffolgenden ersten Januarwochenende ließen mich optimistisch Richtung Oggau blicken, wo am 26.01 die „24h Burgenland Extrem Tour“ zum 7. mal ihren Start hatte. Eine Runde gegen den Uhrzeigersinn um den Neusiedler See. Zu Fuß.

Zur unmenschlichen Uhrzeit 2:00 Uhr läutete am Freitag Morgen der Wecker. Ich rieb mich an den neuralgischen Stellen mit Hirschtalg ein, zog mich an, machte mir einen Kaffee und schnappte meine am Vorabend gepackten Sachen, und los ging’s Richtung Burgenland. Zuerst nach St. Margarethen um Cliff abzuholen. Danach weiter nach Oggau zum Parkplatz des Freibades, von wo aus uns ein Shuttlebus zum Start im Ortskern brachte. Soweit hat mal alles funktioniert. Wir genehmigten uns noch ein kleines Frühstück, schossen ein Start-Selfie und schon schickte man uns pünktlich um 4:30 Uhr auf die lange Reise. Wir begannen zügig, schlängelten uns durch viele Geher und nach 2-3km fanden wir in einen guten Rhythmus und die ersten 10 km waren in Mörbisch, kurz vor der ungarischen Grenze erledigt. Es sollten die schnellsten 10 km des Tages bleiben. Weiter in Ungarn musste Cliff erstmal des Wald-WC besuchen und so musste ich schon wieder einmal warten auf einen Laufpartner. Verdammt. Ob’s an mir liegt? Ich weiß es nicht. Erleichtert liefen wir weiter und schon kurz nach km 20 kam die erste Verpflegung des Tages in Balf in Sicht. Laut Streckenkarte viel zu früh. Ob wir hier den falschen Weg benutzt hatten und unbeabsichtigt abgekürzt haben wissen wir nicht so genau. Mit uns waren jedenfalls viele Läufer auf der gleichen Route unterwegs. Wir stärkten uns, munitionierten unsere Gel-Vorräte in den erreichbaren Taschen auf und liefen gut gestärkt weiter. Und kurz darauf graute es auch dem Morgen und wir konnten unsere Stirnlampen wegpacken. Wir trotteten also weiter nebeneinander her, gingen bei leichten Steigung, liefen im flachen und bergab und pendelten uns so bei 6:30 min/km ein. Nach etwa 30 km erwartete uns der beste Tee des Tages und wir nahmen ihn dankend an. Auch wenn das Wetter nicht unbedingt nach Tee verlangte. Es war genau richtig. Nicht zu warm, nicht zu kalt, kaum Wind. Wir hatten wirklich Glück mit den Bedingungen. Fröhlich verlief unserer weiterer Weg. Cliff lernte mir etwas ungarisch und erzählte mir etwas über die Geschichte der kroatischen Dörfer im Burgenland. Er kennt alle Museen die nahe oder auf unserem Weg lagen. Ich muss sagen, ein sehr kurzweiliger Begleiter. Ich kann ihn euch wärmstens ans Herz legen.

Wir bewegten uns Richtung Marathon-Marke. Kurz davor gab’s aber noch ein kleines Meet&Greet mit dem unglaublichen @_Ketterechts, der das Abenteuer 24h Burgenland extrem mit dem Rad auf sich nahm und sogar 4 anstatt der angesagten 3 Runden um den See fuhr. Was er sich dazu so für Gedanken gemacht habt könnt ihr hier in seinem Blog nachlesen. Und ihr wisst ja vielleicht, bei den Rennradlern geht’s immer um den „Style“. Bei Cristian geht das so weit, dass er sogar die Farbe seines Iso-Getränks auf sein Trikot abgestimmt hatte. Was für ein Freak 😀

Und kurz hinter der Marathon-Marke erwartete uns schon das nächste Highlight. Es bot sich der erste Blick auf den See. Unglaublich. Nach 45 km. Auf der Strecke trafen wir nun auf ein Dreierteam, dass ähnlich viel Spaß zu haben schien wie wir und so vergingen die nächsten Kilometer mit ein paar lockeren Sprüchen wie im Flug. Wir passierten riesige Herden Steppenrinder und freuten uns, dass wir der Halbzeit in Apetlon immer näher kamen. Nach ziemlich genau 55 km war dann dieses Zwischenziel erreicht. Und zusätzlich zu einem Tee genehmigten wir uns 1/8 erl Blaufränkisch. Wir wussten ja welch beflügelnde Wirkung der hat. Und nach einer etwas längeren Pause liefen wir beschwingt weiter. Irgendwie hatte ich aber vor lauter Pause vergessen auch etwas zu essen und bekam schon am Ortsausgang von Apetlon einen fiesen Unterzucker. Aber ein Gel, ein paar Gummizuckerln und Isogetränk kurierten mich rasch. In Illmitz verpassten wir zwar irgendwie die Labe, aber unsere eigenen Vorräte waren noch reichlich vorhanden und so traf uns diese kleine Panne nicht so schwer. Nach Illmitz wartete auf uns „Die Hölle“. Aber zum Glück herrschten nicht die namensgebenden hohen Temperaturen vor. Und es gab sogar noch eine kleine Zwischenverpflegung. Die Aussichten auf die nächste Verpflegung trieb uns dann auch an Richtung 70 km. Es war nämlich im offiziellen Roadbook von Apfelpunsch in Podersdorf die Rede. Leider war der gerade aus und so musste uns wieder 1/8 Rotwein über die Enttäuschung hinwegtrösten. Rund 8 km fehlten uns hier noch auf Cliffs Distanzrekord, den wir im Sommer beim Blaufränkisch Ultra aufgestellt hatten. Und den erreichten wir dann auch in Weiden am See. 80 km. Jetzt war es nicht mal mehr ein Marathon. Kurz vor uns wartete noch ein große Verpflegung in Neusiedl und das Weingut von Leo Hillinger in Jois. Gute Aussichten also. Also mehr für unser Wohlbefinden als für die Zeit. Aber da es bei 24h Burgenland Extrem eh keine offizielle Zeitnehmung gibt war des dann auch schon egal. In Neusiedl gabs dann wirklich eine etwas längere Pause. Es gab köstliche Karottensuppe, wir wechselten unsere Shirts gegen trockene und das aufstehen nach der etwas längeren Pause war wirklich etwas zaach. Aber wir schafften es. Auf der Strecke war nun wieder etwas mehr los. Die 60 km Wanderer die in Apetlon gestartet waren bevölkerten nun den Weg. Und so mussten wir, knapp 90 km in den Beinen, immer mal wieder Slalom laufen. Im letzten Licht des Tages erreichten wir die Bergwertung hinauf zum Hillinger. Belohnt wurde dieser Einsatz mit Glühwein, einem 8erl Blaufränkisch und einer warmen Sitzgelegenheit. Schon wieder Pause. Aber wir waren ja auf der Genießer-Tour. Auch dort ließen wir den Shuttelbus, der nun alle Laben abklapperte und die Teilnehmer, die ihre persönliche Grenze erreicht hatten zurück zu ihrem Startort fuhr, links liegen und machten uns auf, das vorletzte Teilstück bis Purbach zu bezwingen. So richtig viel weiß ich nicht mehr von dem Stück muss ich gestehen. Wir waren jetzt doch schon über 14 Stunden unterwegs. es war finster und es wurde kälter. Doof für Cliff, denn seine Oberschenkel wurden von seiner Hose aufgescheuert, so dass er sie beim Laufen nun hochkrempeln musste. In Purbach überquerten wir zuerst die 100 km an diesem Tag. Für mich auch erst das zweite Mal. Für Cliff natürlich das erste mal bevor es also dann den letzten Tee für uns gab. Nochmal ein köstliches Gel (nach so einer Tour hab ich wieder für 2-3 Monate genug von dem Zeug) und nach einem kleinen Plausch mit Bekannten von Cliff auf zum letzten Teilstück.  Das Ziel zog uns jetzt ordentlich an. Laut Roadbook noch 15 km, laut meinem Track auf der Uhr etwas weniger. Die Antwort lag wohl irgendwo dazwischen und so erreichten wir das Ortsschild von Oggau nach rund 111 km. Die letzten 4 im Ort waren dann kein großes Problem mehr. Und so liefen wir nach knapp 17 Stunden durch den Zielbogen in Oggau. 115 km laut meiner Uhr. Im Januar. Was für ein Trip.

Bedanken möchte ich mich zu allererst bei Cliff, der mich zu diesem Event irgendwie überredet hat. Wer weiß ob ich ohne ihn an der Startlinie gestanden hätte. Natürlich hat auch der Veranstalter einen Dank verdient. So eine Mega Geschichte aufzuziehen, da gehört schon einiges dazu. Den unzähligen Helfern an der Strecke gilt besonderer Dank. Ohne euch ist so eine Veranstaltung nicht zu stemmen und ihr seid genau so wichtig wie die Läufer/Wanderer. Und zum Schluss möchte ich auch noch meinem Partner Under Armour danken. Um einen Ultra im Januar zu laufen braucht man die richtige Ausrüstung. Danke, dass ihr mich damit versorgt.

Hier noch ein paar Eindrücke von Unterweg
24h Burgenland Extrem

Und hier noch der Tag in Zahlen:

2 Kommentare

  1. Ernst
    Ernst um | | Antworten

    ja, das war schon was…
    Einzig von Donnerskirchen nach Oggau wars ein wenig zäh – aber da hatte ich schon 4h mehr am Tacho als ihr.
    lg

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