Ein Lauf in die Geschichtsbücher

Diese sozialen Medien. Sie verleiten einen immer zu irgendwelchen komischen Sachen. In diesem Fall zu einem ungeplanten 6h Lauf. Demeter hatte sich angemeldet und eine Facebook Konversation führte dazu, dass auch mein Start erwartet wurde. Um sicher zu gehen fragte ich noch den Twitterlauftreff um Rat, schließlich war am selben WE auch der Wienenergie Halbmarathon. Ein möglicherweise wichtiger, richtungsweisender Testwettkampf im Hinblick auf den schnellen geplanten Linz Marathon. Der Twitterlauftreff hat entschieden. Der 6h Lauf sollte es sein

Und wenn schon 6h Lauf, dann auch mit Schwung. Soll heißen, der Eintrag in die ewige Bestenliste der Deutschen Ultramarathon Vereinigung sollte her. 72km sind hierfür gefordert. Das bedeutet 5 min/km über 6h am Stück laufen. Klingt eigentlich gar nicht so schlimm. Also machten sich Demeter und ich am frühen Samstag morgen auf in die Einöde namens Lassee. 45 min Fahrt von Wien aus und wir waren schon da. Ein von Hand gemaltes Schild mit der Aufschrift „LAUF“ wieß uns den Weg. Parkplatz kein Problem, Startnummernabholung und eine kurzfristige Chipmiete für Demeter ebensowenig. Wir bauten noch unsere eigene Verpflegungsstation, bestehend aus einem Campingtisch und einem Klappkorb auf und bereiteten uns langsam auf den Start um 9:00 Uhr vor.
Der Startschuß fiel pünktlich und los gings für 6h im Kreis. Oder sagen wir: Grob im Doppel-Viereck, das war nämlich die Form der Strecke. Schon nach etwa 400 m erreichten wir eine Kehre, bekannt als Kniescheibenbruch Kurve, die im letzten Jahr dem Mitorganisator Rainer Predl im Training zum Verhängnis wurde und ihn in eine längere Verletzungspause zwang. Ich kam gut in Schwung, etwas schnell vielleicht und schon auf der zweiten oder dritten Runde (wer weiß das schon so genau) fand ich in Thomas einen Begleiter. Schnell merkten wir, dass wir läuferisch die gleichen Vorlieben teilen und so ging’s, gut unterhalten dahin bis weit hinter die Marathonmarke. Bei Gesprächen über vergangene und geplante Trailläufe verging die Zeit wie im Flug und ich war fast ein bisschen traurig als sich Thomas etwa bei km 50 in eine Essenspause verabschiedete.
Demeter hatte sich zu diesem Zeitpunkt auch schon verabschiedet. Und zwar aus dem Rennen. Er hatte arge muskuläre Probleme in den hinteren Oberschenkeln und entschied sich das Rennen nach 54 km, in Führung liegend, zu beenden. Schade, das hätte was werden können mit dem Sieg und vielleicht sogar mit österreichischem Rekord. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Ich war nun zum großen Teil allein unterwegs. Zwei Runden bestritt ich noch zusammen mit Florian, der mittlerweile als 3h Läufer auf der Strecke war. (Wie es ihm dabei erging könnt ihr hier nachlesen.) Im Prinzip war es ab hier aber ein Kampf mit mir selbst und mit dem immer etwas stärker werdenden Wind. So hatte ich zumindest den Eindruck. Laut meiner Uhr lag ich gut auf Kurs und hatte schon ziemlichen Vorsprung, dachte ich. In meiner letzten ganzen Runde überholte ich Maria, die ein bärenstarkes Ultramarathon Debüt hinlegte, nur um ein paar hundert Meter später von ihrem Pacemaker Martin überholt zu werden, mit der Aufforderung noch etwas Tempo zu machen, um Maria über die 67 km zu bringen. Also lief ich noch einen Kilometer mit in etwa 4:20 min/km um dann an meiner Labe aus dem Pulk auszuscheren, mir einen RedBull und meine Jacke zu schnappen und bis zur Sirene gar locker auszutraben. Genau in der Kniescheibenbruch Kurve wurde das Rennen dann für mich abgehupt. Laut meiner Uhr waren es hier 74,2 km. Aber sie lag um knapp 1,6 km daneben. Die offizielle Vermessung ergab „nur“ 72,644 km. Zum Glück hab ich noch den Endspurt angezogen. 😉
Für den Eintrag in die Bestenliste hats jedenfalls gereicht. Nach meinen Recherchen dürfte es der 191 Platz in der ewigen 6h Lauf Bestenliste sein.
In Lassee bedeutete diese Leistung den 9. Gesamtrang und Platz 1 in meiner Altersklasse M30. Mein erster Altersklassensieg. Naja. M30 ist ja bei den Ultras eher sowas wie der Kindergarten 😉
Ein paar Worte noch zu Maria. Ein unglaublich starkes Ultramarathon Debüt. 2 Dame gesamt, 1. W30 und mit 67,04 km mehr als 2 km mehr als ich bei meinem 6h Lauf Debüt 2013. Chapeau sage ich da nur. Freut mich richtig.

Hier die Daten: 72,644 km 6:00:00 (4:57 min/km 12,11 km/h) Ø HF: 140 bpm

5 Kommentare

  1. Fox
    Fox um | | Antworten

    Yes! Punktlandung. Herzlichen Glückwunsch, tolle Leistung!

  2. laufendentdecken
    laufendentdecken um | | Antworten

    Auch hier nochmal, gratuliere. Starke Leistung und danke für den Link 🙂

  3. #Lieblingsblogs Empfehlungen von euch für euch – Coffee & Chainrings

    […] » Kindergarten? Ein Lauf in die Geschichtsbücher findet ihr bei Vienna Running. […]

  4. Bestzeit beim Linz Marathon
    Bestzeit beim Linz Marathon um |

    […] scheinen mich meine Social Media Kontakte durch das Wettkampfjahr zu leiten. Zuerst Rodgau, dann Lassee und auch die Teilnahme am Linz Marathon hatte ich irgendwie Twitter zu verdanken. Naja. So halb. […]

  5. Mein Laufjahr 2016
    Mein Laufjahr 2016 um |

    […] feiern und wurde insgesamt in einem sehr starken Feld 9. Wer es noch genauer wissen will, hier ist der Bericht vom 6h Lauf in […]

Kommentar verfassen