6h Lauf Wien

Heute wars soweit. Der Beginn meiner Ultralauf-Karriere. Ein 6h Lauf sollte es sein, 6h, 2,5km Runde immer schön im Kreis im schönen Wiener Prater. Zu allem Überfluß scheint Petrus kein großer Ultra-Fan zu sein. Zur Starnummernabholung goß es wie aus Eimern. Das konnte ja ein Spaß werden. Ich also Verpflegung deponiert (4L Isostar, 15 High5 HydroGele, 6 High5 Energy-Riegel, Hofer Obstschnitten, Magnesium-Sticks, 2 Vanilla Coke und auch Wechselklamotten), das Feld abgecheckt (im letzten Jahr hatte der Sieger am Ende 65km und ein paar Meter auf dem Konto) um zu sehen, das heute ein paar wirkliche Cracks am Start waren, ein bisschen mit Siggi und Jacque gescherzt (noch war uns zum lachen) und mich gefreut, dass es weniger regnet. Und schon gings los. Ein Gruppe von 7-8 Leuten ist gleich mal abgegangen wie Schmidts Katze, alles klar. Entweder ich hole euch später wieder ein, oder nicht. Ich hab mir vorgenommen, genau mein Tempo zu laufen. 5:46 min/km sollten es sein, und so bin ich zusammen mit Siggi plappernd losgezogen. Natürlich auch zu schnell, aber moderat. Regen war zu diesem Zeitpunkt eigentlich auszuhalten. Nach den ersten 3 Kilometern kam dann schon mein Supportteam vom #Twitterlauftreff, für den ich bei dieser Veranstaltung gelaufen bin. Sebastian und Peter, die ich letztes WE kennen lernen durfte hatten noch einen Gast aus Linz dabei, den Gunter, auch bekannt als @GUracell. Zusammen sind wir dann 2 weiter Runden gelaufen, bis mich die drei dann bei strömendem Regen, ich hatte inzwischen die Regenjacke übergezogen, allein mit Siggi gelassen haben. Den Siggi musste ich dann kurze Zeit später auch ziehen lassen. Er hat nämlich richtig Gas gegeben und die 1,5 L Isostar die ich schon intus hatte verlangten nach ihrem Recht. Mit Schwitzen war nämlich nicht so viel. In den folgenden Runden musste ich dann noch 2 mal in die Büsche und Siggi war aus meinem Blickfeld verschwunden. So vergingen die Runden, Halbmarathon, check, kurz danach habe ich dann Jacque zum ersten mal überrundet, es regnete und regnete, und die eine Pfütze am Rückweg der Runde war inzwischen fast ein See. Ich hatte mich der Regenjacke entledigt, weil mir das blöde Geraschel auf den Nerv ging und so lief ich tapfer immer weiter durch den Regen dem Marathon entgegen. Und siehe da, kurz nach Halbzeit hörte der Regen auf, es wurde ein bisschen wärmer und flux (30 – 45 min) war ich auch schon wieder trocken. Ich näherte mich nun frohen Mutes 2 magischen Grenzen. einmal die 42,195 km, die ich Laufend noch nie überschritten habe, und zum anderen den 3:48:56, der Zeit meines ersten Marathons, für die das gleiche gilt. Die war dann auch eher erreicht und so begab ich mich kurz vor dem Marathondurchgang auf neues Terrain. Die Marathon Durchgangszeit kann sich mit 3:54:08 auch noch wirklich sehen lassen. Weiter gings, ich habe noch ein Teil ausgezogen und war nun schon ärmellos unterwegs. Inzwischen war auch die Nahrungsaufname schwer. Isostar, pfui. Gel, bäh. Riegel zu sperrig. Aber ich konnte ja nicht ohne. Also hab ichs aufgeteilt. Von meinem anfänglichen 5km Gel + Isostar Rhythmus bin ich dann abgewichen und bin zu 5km Gel + Obstschnitte oder Isostar gewechselt. Ging auch ganz gut. Ich näherte mich unaufhaltsam Jochens Marathonzeit von 4:44:xx. Etwa 52 km bin ich zu diesem Zeitpunkt gelaufen. Weiter gings, ich fülte mich noch gut, also den Umständen entsprechend. Klar tut einem alles weh, ich hatte aber inzwischen schon längst in den Maschinen-Modus geschaltet. Ein Schritt nach dem anderen, 4 Runden noch zum ersten Ziel, 60 km. Und Plötzlich wurde ich auf der Ergebnisstafel geführt, auf der die 7 Führenden aufgeführt wurden. Und am Horizont konnte ich Siggi erblicken, dem ich schnell näher kam. Innerhalb von einer Runde hatte ich ihn dann eingeholt und in einem kurzen Plausch teilte er mir mit er wäre platt, ich soll weiter laufen. Klar lauf ich weiter. Ich bin eine Laufmaschine. 7 Platz bei meinem ersten Ultra, ich lauf wie der Wind (denke ich zumindest). Natürlich gehen meine Kilometerzeiten etwas in die Knie, trotzdem waren kaum Kilometer über 6 min dabei. Und ich fühlte mich noch erstaunlich gut. jede Runde aufs neue gepusht von der Ergebnistafel. Schon in der 5 Stunde und in der 6 erst recht machten sich meine täglichen RunToWork Läufe bezahlt. Wieder mal viel richtig gemacht im Training würd ich sagen. KM 60 flog vorbei und kurz vor KM 62,5 überrundete ich Siggi dann. Aber auch er hielt noch tapfer durch und kann wirklich stolz auf sich sein. Ich überquerte mein erklärtes Ziel 62,5 km und wollte eigentlich noch locker die letzten Meter mit einer Vanilla Coke feiern als ich Schritte hinter mir hörte. Ich wurde überholt, versuchte noch etwas schritt zu halten, aber konnte nicht mehr forcieren. Ich hoffte also, dass das eh ein Läufer war der vor mir war, oder weit hinter mir, und nicht ausgerechnet der 8. Das Rennen wurde abgehupt, ich ließ mein Sandsäckchen mit der Nr 25 fallen, genau bei KM 64,879. Ein Wahnsinn. Und genau vor der Verpflegungsstelle. KUCHEN JETZT. Die Schmerzen wurden überdeckt von Literweise Endorphin. Was für eine Leistung. Und der Typ, der mich in einem 4 er Kilometerschnitt auf den letzten Metern überholte war ein Läufer vor mir. Glück gehabt. Mir blieb der 7. Gesamtplatz. Ein Wahnsinn. Erster Ultra und ich muss zur Siegerehrung. Was für ein Tag. Hut ab auch vor Jacque, die bei den Damen eine sehr starken 3 Platz belegte und natürlich auch vor Siggi, der wirklich gekämpft hat und mit über 62 km ein mehr als respektables Debüt als Ultraläufer feiern konnte.

Hier bin ich mit dem Tableau vor der letzten Runde

Und hier meine Urkunde mit Foto.
Hier die Daten von heute: 64,879 km 6:00:00 (5:33 min/km 10,8 km/h) Ø HF: 138 bpm

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